Franz Krautgasser (1920–1985)
Franz Krautgasser © Foto: privat
Franz Krautgasser wurde am 19. November 1920 in Hall in Tirol geboren. Als einziges Kind eines Tischlermeisters wuchs er in einem handwerklich geprägten Umfeld auf, das früh eine Nähe zu Material, Form und Konstruktion vermittelte. Eine Erkrankung an Kinderlähmung als 10-Jähriger führte zu einer bleibenden körperlichen Beeinträchtigung, die jedoch weder seine schulische Laufbahn noch seine spätere berufliche Tätigkeit nachhaltig einschränkte.
Seine schulische Ausbildung absolvierte Krautgasser in Hall in Tirol, wo er 1941 die Reifeprüfung an der Städtischen Oberschule für Jungen ablegte. Noch im selben Jahr begann er sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in München. Dort besuchte er die Zeichenschule unter anderem bei Hermann Kaspar und absolvierte mehrere Semester, die durch die Kriegsereignisse unterbrochen wurden. Ergänzend studierte er an der Akademie für angewandte Kunst in München, wo er sich mit Disziplinen wie Graphik, Typografie und kunsthandwerklichen Verfahren auseinandersetzte. Die Münchner Jahre sind durch eine solide akademische Ausbildung geprägt, die sowohl zeichnerische Grundlagen als auch eine material- und technikorientierte Herangehensweise vermittelte.
Nach der kriegsbedingten Rückkehr nach Tirol setzte Krautgasser seine Ausbildung in Wien fort. An der Akademie der bildenden Künste besuchte er die Meisterschule für Kunsterziehung bei Gerda Matejka-Felden sowie Lehrveranstaltungen unter anderem bei Herbert Boeckl. 1947 legte er die Lehramtsprüfung für Zeichnen an Mittelschulen ab und erwarb zusätzlich die Lehrbefähigung für Handarbeit. Seine Ausbildung umfasste neben der künstlerischen Praxis auch theoretische und materialbezogene Fächer wie Kunstgeschichte, Farbenlehre und Farbenchemie und weist damit eine bemerkenswerte inhaltliche Breite auf. Krautgasser war in der Folge als akademisch ausgebildeter Maler tätig.
Bereits während und unmittelbar nach Abschluss seiner Ausbildung begann Krautgasser seine Tätigkeit als Kunsterzieher. Ab 1948 war er zunächst als Probelehrer tätig, bevor er 1949 in den regulären Schuldienst übernommen wurde. In den folgenden Jahren unterrichtete er an verschiedenen Schulen in Tirol, insbesondere in Landeck und Innsbruck. Die erhaltenen dienstlichen Beurteilungen zeichnen das Bild eines reflektierten und methodisch versierten Pädagogen, der seinen Unterricht an entwicklungspsychologischen Kriterien ausrichtete und eigenständiges Arbeiten der Schüler förderte. Trotz teilweise schwieriger organisatorischer Bedingungen – etwa paralleler Unterricht an mehreren Institutionen – wird seine Arbeit als kontinuierlich engagiert und fachlich fundiert beschrieben.
Parallel zu seiner Lehrtätigkeit entwickelte Krautgasser eine konsequente künstlerische Praxis. Seine frühen Arbeiten stehen noch deutlich in der Tradition akademischer Malerei und umfassen Porträts, Landschaften und Stillleben. Bereits in den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren lässt sich jedoch eine zunehmende Öffnung gegenüber zeitgenössischen Strömungen beobachten, insbesondere unter dem Einfluss französischer Malerei. In dieser Phase entstehen zahlreiche Arbeiten auf Papier, darunter Aktzeichnungen, Monotypien und druckgraphische Blätter, die eine intensive Auseinandersetzung mit Linie, Fläche und Figur erkennen lassen.
Ab den frühen 1950er-Jahren tritt Krautgasser regelmäßig in Ausstellungen in Tirol und darüber hinaus in Erscheinung. Seine Beteiligung an Gruppenausstellungen sowie Ankäufe durch öffentliche Institutionen – darunter das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum und die Tiroler Landesregierung – belegen eine kontinuierliche Präsenz im regionalen Kunstgeschehen. Zeitgenössische Kritiken heben insbesondere seine intensive Farbigkeit und die expressive Behandlung der Form hervor.
In der Mitte der 1950er-Jahre erweitert Krautgasser sein künstlerisches Spektrum um Wandmalerei und sakrale Auftragsarbeiten. Projekte wie die Ausgestaltung von Kapellen oder großformatige Wandbilder zeigen eine Verbindung von traditioneller Ikonografie mit einer zunehmend freien, expressiven Bildsprache. Parallel dazu experimentiert er mit unterschiedlichen Materialien und Techniken, darunter Mischformen aus Lackfarbe, Gips und Sand, die zu einer deutlichen Verdichtung und zugleich Reduktion der Form führen.
Ein zentraler Moment seiner künstlerischen Laufbahn ist die Einzelausstellung im Kunstpavillon Innsbruck im Jahr 1960. Diese Ausstellung, die als einzige umfassende Präsentation seines Werks zu Lebzeiten gilt, markiert einen Höhepunkt seiner öffentlichen Wahrnehmung. Die gezeigten Arbeiten zeichnen sich durch eine weitgehende Auflösung gegenständlicher Formen und eine gesteigerte Farbintensität aus, die vielfach in den Bereich der Abstraktion übergehen.
Kurz darauf wird Krautgassers künstlerische Tätigkeit durch eine schwere Erkrankung – Leukämie – zunehmend eingeschränkt. Ab den frühen 1960er-Jahren entstehen nur noch wenige Arbeiten, häufig Porträts, während seine Energie verstärkt in die Lehrtätigkeit fließt. 1977 wird er krankheitsbedingt vorzeitig in den Ruhestand versetzt.
Franz Krautgasser stirbt am 4. Dezember 1985 in Hall in Tirol.