Tuschpinsel

Der Einsatz des Tuschpinsels markiert innerhalb des zeichnerischen Werks eine eigenständige und prägnante Position. Anders als die Feder, die Linie über Feinheit und Differenzierung entwickelt, arbeitet der Pinsel mit Verdichtung, Gewicht und Setzung. Die Linie wird zum Körper – breit, entschlossen und unmittelbar sichtbar.
 
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[WV-Nr. 1765]
Id:1765
Titel
Vor dem Spiegel
Entstehungsjahr
um 1953
Material / Technik
Siebdruckfarbe auf Papier Kleister Spachtel Kratztechnik
Maße
41,5x30 cm
Katalog
H. Reichart: Franz Krautgasser, Abb. 97
 
 
Liste der sids:
Krautgasser nutzt die schwarze Tusche nicht zur Ausarbeitung von Details, sondern zur Reduktion. Figuren, Landschaften und architektonische Motive werden auf wenige, tragende Linien zurückgeführt. Dabei entsteht eine überraschende Klarheit: Die Formen wirken nicht skizzenhaft, sondern strukturiert und gefasst. Jede Linie übernimmt eine funktionale Rolle innerhalb der Komposition.
Der Pinselstrich bleibt dabei stets lesbar – mal trocken und gebrochen, mal flächig und satt. Diese Variabilität erzeugt eine innere Dynamik, ohne die Strenge der Bildordnung aufzulösen. Schwarz fungiert als ordnendes Prinzip, das die Bildfläche gliedert und stabilisiert.
In dieser Verbindung von gestischer Setzung und formaler Disziplin entfalten die Arbeiten eine eigentümliche Spannung: zwischen Spontaneität und Kontrolle, zwischen zeichnerischer Ökonomie und expressiver Präsenz. Der Tuschpinsel wird so zum Instrument einer konzentrierten, präzisen Bildsprache.

 

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