Tempera
Die Temperaarbeiten markieren einen eigenständigen Werkkomplex, der sich deutlich von der Ölmalerei und auch vom Aquarell unterscheidet. Während diese beiden Medien stärker an Wahrnehmung und Erscheinung gebunden bleiben, eröffnet die Tempera einen Raum für Konstruktion, Verdichtung und formale Zuspitzung.Charakteristisch ist zunächst die Materialität: Die Tempera erzeugt eine matte, geschlossene Oberfläche, in der die Farbe nicht lasierend wirkt, sondern flächig gesetzt wird. Diese Geschlossenheit führt zu einer stärkeren Konturierung der Formen. Linien gewinnen an Gewicht, oft als dunkle, teilweise fast grafische Umrisse, die die Farbflächen voneinander abgrenzen. Das Bild entsteht weniger aus dem Farbverlauf als aus dem Zusammenspiel klar definierter Zonen.
[WV-Nr. 641]
Id:641
Id:641
Titel
Ohne Titel
Entstehungsjahr
um 1955
Material / Technik
Tempera und Kleister
Maße
ca. 46x61 cm
Signatur
Stempel
Liste der sids:
In vielen Arbeiten zeigt sich eine deutliche Tendenz zur Vereinfachung und Stilisierung. Figuren, Landschaften und Gegenstände werden reduziert, teilweise deformiert oder in rhythmische Formen überführt. Dabei entsteht eine Bildsprache, die zwischen Figuration und Abstraktion oszilliert. Motive bleiben erkennbar, werden jedoch zugleich in eine eigenständige, oft fast zeichenhafte Ordnung überführt.
Auffällig ist auch die Nähe zu fauvistischen und expressiven Tendenzen. Die Farbe löst sich weitgehend von ihrer naturalistischen Funktion und wird autonom eingesetzt: kräftige Rot-, Gelb-, Blau- und Grüntöne stehen ungebrochen nebeneinander, erzeugen Spannungen und strukturieren den Bildraum. Diese Farbigkeit wirkt nicht atmosphärisch, sondern konstruktiv – sie baut das Bild.
Gleichzeitig tritt ein starkes Interesse an Komposition hervor. Viele Arbeiten zeigen eine klare Binnenstruktur, teilweise mit geometrischen Anklängen oder rhythmischen Wiederholungen. Gerade in den abstrakten oder halb-abstrakten Bildern wird deutlich, dass hier nicht mehr das Motiv Ausgangspunkt ist, sondern die Organisation der Bildfläche selbst.
Inhaltlich öffnet sich das Werk in der Tempera ebenfalls: Neben Landschaften und Figuren treten sakrale Themen, Szenen des Alltags, aber auch deutlich abstrahierte Naturformen und symbolische Motive auf. Diese Vielfalt wirkt jedoch weniger heterogen als vielmehr durch die formale Handschrift zusammengehalten.
So erscheint die Tempera als ein experimentelles Labor innerhalb des Gesamtwerks – als ein Bereich, in dem sich der Künstler von der Bindung an das Sichtbare löst und eine eigenständige, teilweise überraschend moderne Bildsprache entwickelt. Während die Ölporträts oft einer traditionellen Auffassung verpflichtet bleiben, zeigen die Temperaarbeiten eine deutlich größere Freiheit im Umgang mit Form, Farbe und Bildstruktur.
Auffällig ist auch die Nähe zu fauvistischen und expressiven Tendenzen. Die Farbe löst sich weitgehend von ihrer naturalistischen Funktion und wird autonom eingesetzt: kräftige Rot-, Gelb-, Blau- und Grüntöne stehen ungebrochen nebeneinander, erzeugen Spannungen und strukturieren den Bildraum. Diese Farbigkeit wirkt nicht atmosphärisch, sondern konstruktiv – sie baut das Bild.
Gleichzeitig tritt ein starkes Interesse an Komposition hervor. Viele Arbeiten zeigen eine klare Binnenstruktur, teilweise mit geometrischen Anklängen oder rhythmischen Wiederholungen. Gerade in den abstrakten oder halb-abstrakten Bildern wird deutlich, dass hier nicht mehr das Motiv Ausgangspunkt ist, sondern die Organisation der Bildfläche selbst.
Inhaltlich öffnet sich das Werk in der Tempera ebenfalls: Neben Landschaften und Figuren treten sakrale Themen, Szenen des Alltags, aber auch deutlich abstrahierte Naturformen und symbolische Motive auf. Diese Vielfalt wirkt jedoch weniger heterogen als vielmehr durch die formale Handschrift zusammengehalten.
So erscheint die Tempera als ein experimentelles Labor innerhalb des Gesamtwerks – als ein Bereich, in dem sich der Künstler von der Bindung an das Sichtbare löst und eine eigenständige, teilweise überraschend moderne Bildsprache entwickelt. Während die Ölporträts oft einer traditionellen Auffassung verpflichtet bleiben, zeigen die Temperaarbeiten eine deutlich größere Freiheit im Umgang mit Form, Farbe und Bildstruktur.



