Sakral

Die sakrale Bildwelt Franz Krautgassers wurde früh von dem Jesuitenpater und Hochschulprofessor Herbert Muck als zentraler Bestandteil seines Œuvres erkannt und gewürdigt. Für Muck sind diese Arbeiten keine Illustrationen religiöser Inhalte, sondern „Meditationsbilder“, in denen sich eine existentielle Gotteserfahrung in Farbe und Form verdichtet. Seine Texte heben insbesondere die Fähigkeit hervor, das Religiöse nicht zu erklären, sondern als unmittelbare, oft überwältigende Bildwirklichkeit erfahrbar zu machen.
 
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[WV-Nr. 483]
Id:483
Titel
Ohne Titel
Entstehungsjahr
um 1952/53
Material / Technik
Monotypie auf Papier
Maße
ca. 63x45 cm
 
 
Liste der sids:
Einen Höhepunkt bildet der in Lack ausgeführte Zyklus zur Apokalypse, in dem Krautgasser mehrere der Siegelvisionen der Offenbarung des Johannes behandelt. Diese Arbeiten erscheinen als geschlossene Werkgruppe, in der sich formale Reduktion, eruptive Farbigkeit und kosmische Bildräume zu einer eindringlichen Endzeitvorstellung verdichten.
Charakteristisch ist die Gleichzeitigkeit von Figuration und Auflösung: Die menschliche Gestalt bleibt als Träger des Religiösen präsent, wird jedoch verzerrt, vereinfacht oder in farbige Energiefelder eingebettet. Das Spirituelle manifestiert sich weniger erzählerisch als vielmehr als Zustand – als Leuchten, Verdichtung oder Durchbruch innerhalb der Bildfläche.
Die Bandbreite der Techniken – von Aquarell und Tempera bis zu Lack und Druckgrafik – erweitert dieses Spannungsfeld. Besonders in den Lackarbeiten verdichten sich Farbe und Material zu einer nahezu körperlichen Präsenz. Krautgassers Sakralkunst erscheint so als offener Bildraum, in dem religiöse Vorstellung, persönliche Erfahrung und malerische Recherche untrennbar ineinandergreifen.
 

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