Sakral

Die sakrale Bildwelt Franz Krautgassers wurde früh von dem Jesuitenpater und Hochschulprofessor Herbert Muck als zentraler Bestandteil seines Œuvres erkannt und gewürdigt. Für Muck sind diese Arbeiten keine Illustrationen religiöser Inhalte, sondern „Meditationsbilder“, in denen sich eine existentielle Gotteserfahrung in Farbe und Form verdichtet. Seine Texte heben insbesondere die Fähigkeit hervor, das Religiöse nicht zu erklären, sondern als unmittelbare, oft überwältigende Bildwirklichkeit erfahrbar zu machen.
 
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[WV-Nr. 246]
Id:246
Titel
Der letzte Hahnenschrei
Entstehungsjahr
1952
Material / Technik
Asphaltlack
Maße
ca. 57x41 cm
Signatur
Signatur links unten
Katalog
H. Reichart: Franz Krautgasser, Abb. 42
 
 
Liste der sids:
Einen Höhepunkt bildet der in Lack ausgeführte Zyklus zur Apokalypse, in dem Krautgasser mehrere der Siegelvisionen der Offenbarung des Johannes behandelt. Diese Arbeiten erscheinen als geschlossene Werkgruppe, in der sich formale Reduktion, eruptive Farbigkeit und kosmische Bildräume zu einer eindringlichen Endzeitvorstellung verdichten.
Charakteristisch ist die Gleichzeitigkeit von Figuration und Auflösung: Die menschliche Gestalt bleibt als Träger des Religiösen präsent, wird jedoch verzerrt, vereinfacht oder in farbige Energiefelder eingebettet. Das Spirituelle manifestiert sich weniger erzählerisch als vielmehr als Zustand – als Leuchten, Verdichtung oder Durchbruch innerhalb der Bildfläche.
Die Bandbreite der Techniken – von Aquarell und Tempera bis zu Lack und Druckgrafik – erweitert dieses Spannungsfeld. Besonders in den Lackarbeiten verdichten sich Farbe und Material zu einer nahezu körperlichen Präsenz. Krautgassers Sakralkunst erscheint so als offener Bildraum, in dem religiöse Vorstellung, persönliche Erfahrung und malerische Recherche untrennbar ineinandergreifen.
 

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