Nachkriegsmoderne in Farbe

Mit der Hinwendung zur Farbe erweitert Krautgasser seine formale Sprache um eine deutlich expressive Dimension. Während die schwarz-weißen Arbeiten stark von Linie und Struktur getragen sind, tritt hier die Farbe als eigenständiges, konstruktives Element hinzu. Sie beschreibt nicht mehr, sondern organisiert das Bild.
Auffällig ist die Nähe zu Strömungen der klassischen Moderne, insbesondere zum Fauvismus und zum späten Expressionismus. Leuchtende, teils ungebrochene Farben – Rot, Gelb, Blau und Grün – werden in klar abgegrenzten Flächen eingesetzt und stehen in spannungsvollen Kontrasten. 
 
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[WV-Nr. 22]
Id:22
Titel
Ohne Titel
Entstehungsjahr
um 1957
Material / Technik
Mischtechnik Tuschpinsel Kreide
Maße
ca. 59x41 cm
Signatur
Signatur: F. Krautgasser Stempel
 
 
Liste der sids:
Die Farbigkeit wirkt dabei weniger atmosphärisch als vielmehr architektonisch: Sie gliedert den Bildraum und verstärkt die formale Konstruktion.
Figur, Landschaft und Architektur bleiben als Motive präsent, werden jedoch zunehmend abstrahiert und in geometrische oder segmentierte Formen überführt. Gerade in den Architektur- und Stadtansichten zeigt sich eine Nähe zum Kubismus, während die Akte und Porträts eine expressive Vereinfachung erfahren, die an Matisse oder Picasso erinnert.
Die häufige Kombination von Tusche, Kreide, Siebdruckfarbe und Tempera verweist zudem auf ein experimentelles Arbeiten zwischen Malerei und Grafik. Linie und Farbe treten in ein spannungsreiches Wechselverhältnis: Konturen strukturieren die Fläche, während farbige Zonen diese zugleich durchbrechen oder überlagern.
Diese Werkgruppe markiert damit einen Übergang: von der beobachtenden, zeichnerischen Erfassung hin zu einer freieren, farblich bestimmten Bildsprache, in der sich Konstruktion und Expression zunehmend miteinander verschränken.
 

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