Monotypie

Mit den Monotypien der frühen 1950er Jahre vollzieht sich in Krautgassers Werk ein markanter Wechsel von der malerischen Konstruktion hin zu einem prozessualen Bildverständnis. Die Technik der Monotypie – als einmaliger Abdruck – bringt eine spezifische Bildlogik hervor: Das Bild entsteht nicht durch schichtweises Aufbauen, sondern durch Übertragung, Druck und Zufall.
 
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[WV-Nr. 1627]
Id:1627
Titel
Ohne Titel
Entstehungsjahr
1954
Material / Technik
Monotypie auf Papier
Maße
unbekannt
Signatur
F. Krautgasser
 
 
Liste der sids:
Die Motive bleiben dabei überwiegend figürlich: Akte, Alltagsszenen, sakrale Darstellungen und erzählerische Konstellationen prägen das Bildrepertoire. Doch die Figuren erscheinen selten stabil oder abgeschlossen. Sie lösen sich in Liniengeflechte, Flecken und Verdichtungen auf, wirken fragmentiert oder wie aus dem Bildgrund hervorgezogen.
Charakteristisch ist dabei das Spannungsverhältnis zwischen Kontrolle und Entzug: Einerseits sind die Kompositionen klar gesetzt, andererseits entzieht sich der Abdruckprozess der vollständigen Steuerung. Die Bilder tragen Spuren des Druckvorgangs, Unschärfen, Auslassungen und Überlagerungen, die den Figuren eine eigentümliche Flüchtigkeit verleihen.
In dieser Technik wird die Figur weniger dargestellt als vielmehr hervorgebracht – als etwas, das im Moment des Drucks erscheint. Die Monotypien können daher als eine Form von „Bildwerdung unter Vorbehalt“ gelesen werden: Figuren, die sich zeigen, aber nie vollständig fixieren lassen.
Kunsthistorisch stehen diese Arbeiten in der Nähe zu expressionistischen Druckgrafiken und zu experimentellen Druckverfahren der Nachkriegszeit, entwickeln jedoch eine eigene Qualität durch die Verbindung von erzählerischem Impuls und prozessualer Offenheit.
 

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