Landschaft

Die Landschaftsbilder Krautgassers sind keine reinen Naturdarstellungen, sondern lassen sich als eigenständige Form von Wahrnehmungsstudien lesen. Sie gehen nicht von der topografischen Beschreibung eines Ortes aus, sondern von einem subjektiven Zugriff auf Raum, Stimmung und Struktur.
 
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[WV-Nr. 213]
Id:213
Titel
Ohne Titel
Material / Technik
Öl
Maße
ca. 50x39 cm
Signatur
Stempel auf Rückseite
 
 
Liste der sids:
Auch hier ist das Moment der Zeit zentral: Die Landschaft erscheint nicht als stabile Gegebenheit, sondern als ein Zustand – als etwas, das sich im Sehen erst formiert. Farbflächen, Linien und Formen wirken oft wie Setzungen, die den Eindruck eines Moments festhalten, ohne ihn vollständig zu fixieren. Dadurch entsteht eine eigentümliche Spannung zwischen Erkennen und Auflösen.
In den gegenständlicheren Arbeiten – etwa den Ansichten von Hall oder alpinen Landschaften – bleibt die reale Referenz spürbar, wird jedoch durch Farbigkeit und Vereinfachung transformiert. Architektur, Bäume oder Bergformen dienen als Ankerpunkte, die Orientierung geben, zugleich aber in eine freiere Bildlogik überführt werden.
In den abstrakteren Landschaften löst sich dieser Bezug zunehmend auf. Organische Formen, spiralförmige Bewegungen oder flächige Kompositionen treten an die Stelle konkreter Motive. Dennoch bleibt der landschaftliche Ursprung präsent – weniger als Abbild, sondern als Erinnerung an Raum, Wachstum und Struktur. Die Natur wird hier nicht dargestellt, sondern in eine eigene Bildsprache übersetzt.
Auffällig ist die Vielfalt der Materialien und Techniken: Tempera, Aquarell, Tusche, Lack oder Mischtechniken erzeugen jeweils unterschiedliche Dichten und Atmosphären. Diese Materialität ist nicht nebensächlich, sondern trägt wesentlich zur Wahrnehmung der Landschaft bei – sie bestimmt, ob ein Bild leicht und fließend, kompakt und blockhaft oder grafisch verdichtet erscheint.
Die Landschaft wird so zu einem Experimentierfeld, in dem sich äußere Wahrnehmung und innere Bildvorstellung überlagern. Ähnlich wie in den Körperporträts geht es nicht um eine objektive Darstellung, sondern um das Sichtbarmachen von Zuständen. Der Raum übernimmt dabei die Rolle, die zuvor der Körper innehatte: Er wird zum Träger von Spannung, Bewegung und Empfindung.
 

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