Lack in Farbe

Die Lackarbeiten von Franz Krautgasser entstehen in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren und bilden einen zentralen Schwerpunkt seines Œuvres. In ihnen verdichtet sich sein künstlerischer Ansatz zu einer eigenständigen Bildsprache, die zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen Beobachtung und innerer Bildfindung vermittelt.
Charakteristisch ist der Umgang mit dem Material selbst: Die Verwendung von Lackfarbe ermöglicht eine intensive, oft leuchtende Farbigkeit und zugleich eine Verdichtung der Oberfläche. Farbe erscheint nicht als bloßes Mittel der Darstellung, sondern als eigenständiger Bildträger. Schichtungen, Überlagerungen und gestische Eingriffe strukturieren die Kompositionen und verleihen ihnen eine prozesshafte Offenheit.
 
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[WV-Nr. 2131]
Id:2131
Titel
Zwillinge
Entstehungsjahr
1958
Material / Technik
Lack auf Papier
Maße
69x49 cm
Signatur
ohne Signatur
 
 
Liste der sids:
Innerhalb der Arbeiten lassen sich wiederkehrende Motivfelder erkennen, die jedoch nie eindeutig festgelegt sind. Landschaften, architektonische Fragmente oder figurative Anklänge – etwa in Aktdarstellungen oder angedeuteten Körperformen – treten auf und lösen sich zugleich wieder in der malerischen Bewegung auf. Werke wie die knienden Akte, die „Kobolde“ oder sakrale Kompositionen zeigen, wie stark Krautgasser mit Übergängen arbeitet: Das Gegenständliche bleibt präsent, wird jedoch nicht ausgeführt, sondern in eine reduzierte, oft fragmentarische Form überführt.
Auffällig ist dabei die Spannung zwischen kontrollierter Komposition und spontaner Geste. Linien werden gesetzt, übermalt, verworfen; Flächen verdichtet oder aufgerissen. In vielen Arbeiten entsteht so der Eindruck eines Bildes im Werden – eines Zustands zwischen Aufbau und Auflösung. Diese Offenheit verbindet sich mit einer klaren formalen Struktur, die den Arbeiten trotz aller Dynamik eine innere Geschlossenheit verleiht.
Neben diesen stärker abstrahierten Arbeiten finden sich auch Blätter, in denen Krautgassers Blick auf konkrete Situationen erhalten bleibt. Gerade in den Übergängen zwischen Figuration und Abstraktion zeigt sich seine besondere Qualität: Er ist weniger daran interessiert, Motive festzuhalten, als vielmehr daran, Wahrnehmung in eine bildnerische Form zu überführen.
Die Lackbilder können so als ein Versuch gelesen werden, Malerei aus der reinen Abbildfunktion zu lösen und zugleich an Erfahrung zu binden – an Landschaft, Körper, religiöse Bildwelten oder alltägliche Beobachtungen. In dieser Verbindung liegt ihre Eigenständigkeit innerhalb der Tiroler Nachkriegskunst.

 

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