Kratztechnik
In den Arbeiten der Kratztechnik radikalisiert Krautgasser sein prozessuales Bildverständnis erneut. Während in den vorhergehenden Werkgruppen Material aufgebaut oder übertragen wurde, entsteht das Bild hier durch Abtrag: Farbe, Lack oder pastose Schichten werden aufgetragen, um anschließend wieder eingeritzt, abgekratzt oder freigelegt zu werden.[WV-Nr. 1764]
Id:1764
Id:1764
Titel
Akt
Entstehungsjahr
um 1953
Material / Technik
Siebdruckfarbe auf Papier Kleister Spachtel Kratztechnik
Maße
43x30 cm
Katalog
H. Reichart: Franz Krautgasser, Abb. 96
Liste der sids:
Dieser subtraktive Zugriff verändert die Logik des Bildes grundlegend. Die Linie ist nicht mehr gesetzt, sondern entsteht als Spur eines Eingriffs. Figuren, Architekturen und vegetabile Formen erscheinen als freigelegte Zonen innerhalb dunkler Bildfelder – sie werden sichtbar, indem sie aus der Masse herausgelöst werden.
Charakteristisch ist das Spannungsverhältnis zwischen Oberfläche und Tiefe: Das Bild wirkt gleichzeitig geschlossen und verletzt. Kratzspuren durchziehen die Fläche, überlagern sich, verdichten sich zu Netzwerken oder öffnen einzelne Partien. In vielen Arbeiten scheinen die Motive weniger gezeichnet als herausgeschält – als hätten sie bereits im Material existiert und würden erst durch den Eingriff sichtbar.
Die Technik verleiht den Bildern eine eigentümliche Dringlichkeit. Der Akt des Kratzens ist unmittelbar, körperlich und irreversibel; jede Linie ist zugleich Setzung und Zerstörung. In dieser Doppelbewegung entsteht ein Bildraum, der zwischen Sichtbarkeit und Auslöschung oszilliert.
Innerhalb des Œuvres markieren diese Arbeiten einen entscheidenden Schritt hin zu einer Bildauffassung, die nicht mehr auf Darstellung, sondern auf Freilegung beruht.
Charakteristisch ist das Spannungsverhältnis zwischen Oberfläche und Tiefe: Das Bild wirkt gleichzeitig geschlossen und verletzt. Kratzspuren durchziehen die Fläche, überlagern sich, verdichten sich zu Netzwerken oder öffnen einzelne Partien. In vielen Arbeiten scheinen die Motive weniger gezeichnet als herausgeschält – als hätten sie bereits im Material existiert und würden erst durch den Eingriff sichtbar.
Die Technik verleiht den Bildern eine eigentümliche Dringlichkeit. Der Akt des Kratzens ist unmittelbar, körperlich und irreversibel; jede Linie ist zugleich Setzung und Zerstörung. In dieser Doppelbewegung entsteht ein Bildraum, der zwischen Sichtbarkeit und Auslöschung oszilliert.
Innerhalb des Œuvres markieren diese Arbeiten einen entscheidenden Schritt hin zu einer Bildauffassung, die nicht mehr auf Darstellung, sondern auf Freilegung beruht.



