Körperportraits

Die Körperporträts Krautgassers konzentrieren sich auf die Figur als Träger von Spannung und Bedeutung. Während in den Genre-Szenen noch ein situativer Kontext mitschwingt, tritt hier der Raum weitgehend zurück – übrig bleibt der Körper als eigenständiges Ausdrucksfeld.
 
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[WV-Nr. 1611]
Id:1611
Titel
Ohne Titel
Maße
ca. 32x34 cm
 
 
Liste der sids:
Im Zentrum steht die Haltung: Sitzen, Liegen, Anlehnen, Drehen. Diese Positionen sind jedoch nicht statisch, sondern als Zustände in der Zeit lesbar – als Momente des Innehaltens, des Übergangs oder der inneren Sammlung. Der Körper wird dabei nicht als anatomisch exakte Form behandelt, sondern als ein Gefüge von Linien, Gewichten und Richtungen, das psychische Verfasstheiten sichtbar macht.
Auffällig ist, wie stark sich Bedeutung aus kleinen Verschiebungen ergibt: eine geneigte Schulter, ein abgesackter Rücken, ein abgewandter Kopf. Diese minimalen Differenzen erzeugen jeweils eigene Spannungen und lassen sich als körperliche Artikulation von Befindlichkeit lesen. Der Ausdruck entsteht nicht über Mimik, sondern über das Verhältnis der Körperteile zueinander.
Gerade in den seriellen Skizzen wird diese Arbeitsweise besonders deutlich. Sie funktionieren wie Variationen eines Themas: ähnliche Posen werden wiederholt, leicht verändert, neu justiert. Daraus entsteht eine Form von visueller Recherche, in der der Körper als Erkenntnisinstrument dient – nicht im Sinne einer Analyse, sondern als tastendes Annähern an Zustände.
In den farbigen Arbeiten verschiebt sich diese Konzentration nochmals: Farbe legt sich nicht beschreibend über den Körper, sondern verstärkt seine innere Spannung. Sie folgt weniger der Form als einer emotionalen Logik und trägt dazu bei, die Figur aus dem rein Beobachteten herauszulösen.
Diese Werkgruppe lässt sich daher als konsequente Weiterführung der Genre-Szenen verstehen – jedoch mit einem klaren Fokus: Nicht mehr die Situation erzeugt Bedeutung, sondern der Körper selbst. Er wird zum Ort, an dem Zeit, Wahrnehmung und psychische Verfassung zusammenfallen.
 

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